Lehrauftrag FH Bielefed

Wir freuen uns über die Einladung zu einem Lehrauftrag an der FH Bielefeld!
Im Fachbereich Architektur und Bauingenieurwesen dürfen wir das Team von Prof. Grabenhorst unterstützen und die Studenten bei der Einführung in das Berufsfeld und den Grundlagen der Gestaltung begleiten.
Die Studenten erhalten von uns eine digitale Betreuung und Korrektur zu der Bearbeitung von gestellten Aufgaben aus dem Lehrbereich.
Wir haben zwar den Auftrag zu lehren, sind aber immer neugierig und froh, wenn auch wir was Neues lernen dürfen. Wir sind daher gespannt auf die Wechselwirkung und hoffen auf neue Impulse der Studenten!

Architektur macht Schule

Was wäre, wenn…?
„Ideale Bürgerbeteiligung beginnt mit der idealen Stadtverwaltung. Die ideale Stadtverwaltung schätzt ihre Bürgerinnen und Bürger ungemein: als Wissens- und Inspirationsquelle und als Mitentscheidungsgremium.
Die betreuenden Mitarbeiter sind offen für Neues, lieben flexible Prozesse und tragen mutige Ergebnisse aus voller Überzeugung mit. Die ideale Stadtverwaltung führt daher regelmäßige Partizipationsverfahren durch. Die Verfahren sind ergebnisoffen, der Spielraum für die Beteiligung ist klar definiert. Es geht nicht um reine Planauslegung, nicht um Pseudobeteiligung, nicht um das Sammeln utopischer Wünsche. Es geht um echte partizipative Arbeit an einer realen Aufgabe – mit dem Ziel, den schönsten gemeinsamen Nenner zu finden.“
* Auszug DAB 10I20, S.32: Prof. Dr.-Ing. Florian Kluge „Wie funktioniert die ideale Bürgerbeteiligung“


In Anlehnung an die Gedanken von Herrn Kluge haben wir versucht seine Vision für eine ideale Stadtverwaltung auf eine entsprechende Schulverwaltung zu übersetzen.

In Zusammenarbeit mit dem Ubbo-Emmius-Gymnasium Leer wählen wir den Bedarf und die Gründung einer Schulcafeteria am Ostersteggebäude als reale Aufgabe. Hierfür soll ein ehemaliger Musikraum umgenutzt werden.
Schüler einer 10. Klasse beteiligen sich an dieser Maßnahme und werden von zwei engagierten Lehrern betreut. Wir nehmen als Architekt eine unterstützende Rolle ein, indem wir den Prozess strukturieren und Werkzeuge und Methoden anbieten, die bei ihren Entscheidungen und Bewertungen helfen sollen. Dabei sollen die Teilnehmer zunächst für das Anliegen sensibilisiert werden. Hierfür sollen sie in kleinen Arbeitsgruppen ein Arbeitsmodell von dem Raum erstellen. Wand, Boden, Decke, Fenster etc. werden erfasst und hinterfragt. Durch das Ergreifen des Raumes anhand eines Modells, begreifen sie die Geschichte des Raumes, bevor sie diese umschreiben und eine Neue erzählen.
Jeder Schüler hat eine andere Geschichte in seinem Kopf, die gespeist wird von Erinnerungen, Wünschen und Hoffnungen. Dieser Geschichte dürfen sie mit dem Modell Ausdruck verleihen und lernen sie in der Gruppe zu präsentieren und zu verteidigen. Im Diskurs bieten wir in der Rolle als Moderator Kriterien an, wie z. Bsp. Funktionalität, Zeit und Wirtschaftlichkeit, die ihnen dabei helfen sich anzunähern.
Die bunten gebastelten „Modellgeschichten“ werden als konkrete Ergebnisse präsentiert und dokumentiert.
Als nächsten Impuls unsererseits dürfen Sie den Musikraum als Modell im Maßstab 1:1 nutzen und ihre erarbeiteten Entwurfsbausteine wie Durchbrüche, Möbel etc. an Wand und Boden mit Kreide, Klebeband und Schnur markieren. Ihre Visionen werden direkt sichtbar. Sie nehmen wahr, dass sie etwas verändern können, dass ihre Gedanken etwas zählen.
Andere Dinge brauchen mehr Zeit, da Fachkräfte nötig sind, die professionelle Pläne erstellen bzw. die Ausführung übernehmen müssen. Das Ergebnis ist dafür ideal, weil es von den Schülern gemeinsam mit der Schulleitung erarbeitet wurde und Schritt für Schritt Realität wird. Ihre Geschichten werden analysiert und in konstruktive Teile des Konzeptes übersetzt. Es entsteht Identifikation und Akzeptanz.

Menschen kooperieren, wenn sie einander vertrauen. Sie vertrauen einander, wenn sie an die gleiche Geschichte glauben. Gibt es diese gemeinsame Geschichte nicht, dann ist das Potential für Misstrauen und negative Blicke sehr groß. Eine gemeinsame Geschichte ist das Leitbild für Bewertungs- und Entscheidungskriterien.

Was wäre, wenn diese Kinder, anstatt in großen Hallen und sozialen Netzwerken verzweifelten Bürgermeistern gehässige Worte ins Gesicht zu schleudern, zu Menschen mit einem liebevollen und reflektierenden Blick heranwachsen, die sich eher für ein Dafür als ein Dagegen des öffentlichen Raumes einsetzen und diesen mitgestalten?
Was wäre, wenn man den öffentlichen Raum Akteuren anvertraut, die eine Stadt lesen können und die Vokabeln beherrschen die Geschichte einer Stadt zu beschreiben und umzuschreiben, und das für Menschen und nicht nur für Investoren?
Was wäre, wenn …?  

Soziale Netzwerke

Wenn man heute von sozialen Netzwerken spricht, dann denkt jeder an einen virtuellen Raum, der von Onlinediensten angeboten wird. Es existiert allerdings auch ein „echter“ Raum, der die Möglichkeit bietet Informationen auszutauschen und Beziehungen aufzubauen, eine sog. Gemeinschaft des Ortes – die Nachbarschaft.

Das Internet hat unserer Gemeinschaftsbildung in den letzten Jahrzehnten den Spiegel vorgehalten.
Von einem ursprünglichem Werkzeug für tugendhaftes Streben nach Bildung und Zugang zu Information wurde es zu einer kommerzialisierten Maschine für Selbstdarstellung und Macht.
Die Menschen haben sehr schnell erkannt, dass man zunächst an Informationen gelangen, dann aber selbst Spuren hinterlassen und seine Selbstdarstellung beliebig verwalten kann. Menschen können einem folgen und je mehr Follower, umso mehr Reichweite und Macht hat man. Die Grenzen verwischen zwischen Sein und Schein, zwischen Fakten und Inszenierungen. Warum geht man online?  Warum folgt man einer Person?
 
Ist es nicht absurd, dass man online mit hunderten oder gar tausenden von Menschen vernetzt ist, aber in der eigenen Straße die Nachbarn nicht kennt?
Gerade in „Social-Distancing“ Zeiten wird einem bewusst, dass unsere zwischenmenschlichen Beziehungen nicht ausschließlich über digitale Medien laufen können. Jemanden nur zu sehen und zu hören ist nicht menschlich. Erst durch das Riechen, Tasten und Schmecken wird unsere Wahrnehmung komplett und das Erlebnis „echt“.
Mitgefühl entsteht in Räumen, die wir uns teilen. Wir begegnen uns in Straßen und auf öffentlichen Plätzen. Wir leben zwischen Häusern und nicht zwischen Bildschirmen.
Wir haben letztes Jahr in diesem Sinne in unserer Straße ein Fest organisiert, um die Nachbarn kennenzulernen. Die letzte Feier fand 1985(!) statt. Die Nächste wird definitiv nicht so lange auf sich warten lassen, darauf waren sich alle einig.
Es lebt sich am besten in Straßen mit einer menschlichen Vernetzung und nicht der besten Internet Verfügbarkeit.

Worauf stehst Du!?

Schuhe sind unsere treuen und ständigen Begleiter. Mit ihnen geht man durchs Leben, berührt den urbanen Raum tagtäglich und bringt ein Stück seiner Persönlichkeit zum Ausdruck. Um die Stadtbewohner für ihre gebaute Umwelt zu sensibilisieren, haben wir Sie mit der Frage konfrontiert: „Worauf stehst Du?!“

In einem simplen Fotowettbewerb haben wir die Menschen dazu aufgerufen einen Teil ihrer Identität durch ihr Schuhwerk und einen Bodenbelag zum Ausdruck zu bringen. Jeder Beitrag wurde zu einem integralen Bestandteil eines Gesamtkunstwerkes, die wir im Club „3Raum“, einem ehemaligen Soul- und Funktempel in Hannover, ausgestellt haben.
Eine Jury aus Professoren und Fotografen hat im Laufe des Abends die Fotos bewertet und die Sieger benannt, die das Preisgeld der hannoverschen Kulturförderung und die Sachpreise der Sponsoren erhielten. Die Ausstellung ging fließend über in eine Tanzbar.

Als Architekten sehen wir unsere Aufgabe darin, die Stadt und insbesondere die Menschen zu verstehen. Außerhalb der Lehrveranstaltungen der Universität und unserem Alltagsgeschäft, verfolgen wir das Ziel Orte der Begegnung zu schaffen und die Kommunikation in der Gesellschaft durch unsere Projekte zu fördern und anzukurbeln. Durch das Verständnis der Beweggründe und Handlungsmotive sehen wir die Möglichkeit, die gebaute Umwelt adäquater gestalten zu können.

© urban century since 2008

Lesson of the Master: Fumihiko Maki

Im Jahre 2010 hatte ich die Ehre bei einer Studienreise nach Japan das Büro von Fumihiko Maki zu besuchen. Herr Maki nahm sich persönlich Zeit für ein Gespräch mit uns Studenten und beantwortete unsere Fragen.
Ich weiß nicht, was ich mir für eine Antwort erhofft hatte, aber ich stellte tatsächlich folgende Frage:
„Gibt es irgendein Gebäude was Sie geplant haben, dessen Bau Sie im Nachhinein bereut haben?“
Es ging ein Raunen durch den Raum, alle Studenten und vor allem unsere Betreuer waren entsetzt, dass ich es gewagt hatte so eine Frage an Herrn Maki zu richten.
Maki, ein renommierter Architekt, Jahrgang 1928, 1960 einer der Autoren für das Manifest der Metabolisten, seine Ideen und Beiträge für die Entwicklung der Nachkriegszeit in Japan, als die kulturelle Identität des Landes in Frage gestellt war, wurden weltweit rezipiert.
Der Pritzker-Preisträger von 1993, der höchsten Auszeichnung für Architekten, wird von mir nach einem Gebäude gefragt, dessen Bau er bereut.

Man braucht kein Architekturkritiker zu sein, um ein Gebäude oder einen Raum in der Stadt als unangenehm zu empfinden und zu deklarieren. Diese Wahrnehmung hatte schon jeder von uns.
Vor der Reise nach Japan, habe ich bereits das Land, die Mentalität der Bewohner, den Umgang miteinander und deren Verständnis von Raum verehrt. Nach der Antwort von Herrn Maki wurde mir klar, warum ich das tue:

„Jedes Gebäude was ich geplant habe, betrachte ich wie eines meiner Kinder. Bei der Geburt und der Erziehung steckt viel Leidenschaft drin, ähnlich wie bei der Planung und dem Bau eines Gebäudes. Man hofft nur das Beste, aber im Leben eines Kindes und bei einem Gebäude ist man als Schöpfer nicht der einzige Einfluss auf die Kreation. Kinder haben irgendwann ein soziales Umfeld, das Sie mehr prägt, genau wie Gebäude irgendwann Nutzer haben werden. Nicht jedes Kind und auch nicht jedes Gebäude wird so wie man sich das vorstellt. Man würde aber nicht sagen, dass man ein Kind bereut, nur weil es verzogen ist. Man liebt es trotzdem, jedes Kind auf seine Art.“

i artist

Für unseren Beitrag zum Ideenwettbewerb „Für alle? Innovative Vermittlungskonzepte für Kunst im Stadtraum“ des Kunstvereines „hub:kunst_diskurs“ gab es eine Anerkennung.

i artist – you got art

Die bestehenden Kunstwerke bilden ein digitales Netzwerk und ich werde zum aktiven Zentrum mit unausschöpfbaren Beziehungen via „i artist“ app.

In Anlehnung an das „imaginäre Museum“ von Andre Maulraux Kunst aufzubewahren ohne Wände und gebauten Raum und Umberto Ecos Gedanken in „Die Poetik des offenen Kunstwerkes“ schlägt unser Entwurf ein interaktives und digitales Museum vor, gebaut von Programmieren und nicht von Architekten.

Kunst soll Kunst vermitteln

Kunstwerke bekommen eine „Adresse“ und die Monumente werden zu Hotspots im öffentlichen Raum transformiert. Sie werden jeweils mit einem „art-modem“ ausgestattet und sollen als Kunstquellen neue Kunst vermitteln. Über die Möglichkeit von Upgrades und Downloads wird das „i artist“ zu einem interaktiven und künstlerischen Netzwerk, welches die Kunstwerke und Monumente in den Mittelpunkt rückt. Hintergrundinformationen zum eigentlichen Kunstwerk und dessen Verfasser/in lassen die analoge Welt – das eigentliche Kunstwerk – im Bewusstsein. Ziel ist eine neue Kunstplattform und die gedankliche Verfestigung in der Gesellschaft, dass jedes Kunstwerk eine Quelle für Kunst ist. Es muss klar sein: Sobald ich mich einem Kunstwerk im öffentlichen Raum nähere habe ich die Möglichkeit digitale Informationen abzurufen und meine eigene Meinung und Interaktion am Kunstwerk hochzuladen. „i artist“ lässt sich auf alle Städte und Regionen problemlos übertragen. Ist das Kunstnetzwerk einmal programmiert lässt es sich einfach und schnell mit Kunst füllen.
©Stadtartisten

Gewerbekatalog Deisterkiez

In Kooperation mit dem Team vom Büro „Studiostadt“ aus Hannover haben wir für den Deisterkiez einen Gewerbekatalog erstellt. In der Deisterstraße wurden sämtliche Geschäfte im Erdgeschoss mit Plänen, Fotos und Eckdaten in Steckbriefen erfasst und anschließend in Broschüren gebunden.

Neues Cover für den Tod

Grafikdesign

Um einen zeitgemäßen Trauerraum für den Tod zu entwerfen, war eine theoretische Analyse elementar. Die reflexiven Gedanken wurden in zwei Büchern mit den Titeln „architektur + tod“ und „Neue Räume für den Tod“ festgehalten. Während das erste Buch eher eine Anhäufung  historischer Bestattungskulturen ist, die darstellen soll in welchen unterschiedlichsten Formen der Tod bisher gefasst wurde, bietet das zweite Buch innovative Gedanken für einen zeitgemäßen Umgang.

Diese zwei differenzierten Inhalte zum selben Thema, werden im coverdesign aufgegriffen.

 

„perfect places“

Gastvortrag / -kritik

Wir durften einen Beitrag zum Workshop „perfect places“ an der Leibniz Universität Hannover leisten. Die Abteilung „a_ku“ der Architekturfakultät hatte den Studierenden im Laufe des Semesters bereits mehrere Lehrveranstaltungen mit Inputs zum Themenfeld „perfect places“ angeboten. Zu diesen Angeboten gehörte auch die abschließende einwöchige Sommerakademie mit dem Titel „Architektur denken“, zu der wir einen kurzen Vortrag beisteuern und als Gastkritiker teilnehmen durften. Die Beschreibung von Prof. Buchert lässt bereits interessante Diskussionen, Erkenntnisse und Arbeiten erahnen:

Beschreibung:

„Vorstellungen von perfekten Orten und Räumen sind meist als Auffassungen und Ziele in Entwurfshaltungen gegeben und begleiten – oftmals unbewusst – das entwerferische Denken und Schaffen.

Wie können Qualitäten und Eigenschaften dieser Orte der Kindheit, der Träume, der medialen Präsentationen und der Imaginationen im eigenen Denken und Schaffen thematisiert, und entwickelt werden?

Diese dem Gestalten inhärenten Grundhaltungen zu befragen, zu untersuchen und produktiv weiterzuentwickeln, ist ein Ziel der Lehrveranstaltung. Im Austausch verschiedener Perspektiven und Bewohnen von Welt können Horizonte erweitert und Strategien diskutiert werden.

Architektur und Landschaftsarchitektur als zentrale kulturelle Praktiken treffen dabei insbesondere in ihren anthropologischen – in ihren ästhetischen, sozialen und ethischen – Dimensionen hervor.

Architektur denken bezeichnet einen Freiraum zur individuellen wie auch berufsfeldbezogenen Qualifizierung.

In dem einwöchigen Workshop der Sommerakademie wird die Möglichkeit eröffnet, Optionen zu denken, mit denen in Architektur und Landschaftsarchitektur alternative Entwicklungen und Positionen erzeugt, geschaffen und gestärkt werden können. Durch Lektüre, Reflexion und Diskussion werden analytische und methodische Kompetenzen sowie Argumentationsfähigkeiten gefördert.“