Wo Erinnerung zu Licht wird
Interview mit Eva Straub, Chefredakteurin der Naturstein
Architekt Sükrü Begic will mit seinem Pilotprojekt »hailooo« Friedhöfe um lichtdurchflutete
Räume erweitern, in denen individuelle und gemeinsame Formen des
Gedenkens neu erlebbar werden. Im Interview erklärt er das Konzept.
Naturstein: Herr Begic, wie entstand die Idee zu hailooo?
Sükrü Begic: Meine Auseinandersetzung mit Bestattungsräumen begann schon im Studium.
Ich untersuchte, wie Kulturen den Tod räumlich gestalten, und entwickelte Entwurfsbausteine für die Phasen der Trauer. Das Motiv des Fensters – der Blick in eine andere Welt – hat mich seitdem begleitet. Seit zwei Jahren arbeite ich daran, diese Idee zu materialisieren: ein Licht-Raum, in dem jedes Glasdreieck das Erinnerungslicht eines Menschen trägt. Die Entwicklung der Gesellschaft und der Gesetze sowie Gespräche mit Experten der Bestattungskultur haben mir bestätigt, dass es Bedarf gibt.
Was unterscheidet »hailooo« von klassischen Kolumbarien?
Kolumbarien sind funktional, aber emotional oft leer. »hailooo« schafft einen Raum, der tröstet: ein begehbares Lichtfeld aus hunderten farbigen Glasdreiecken, die von Hinterbliebenen gestiftet werden. Architektur, Ritual und Erinnerung greifen ineinander – gemeinschaftlich und dennoch individuell.
Warum spielen Glas und Licht eine so zentrale Rolle?
Glas kann Asche tragen, ohne sie zu verbergen. Im Licht beginnt das Erinnerungsstück zu strahlen – fast, als leuchte die Seele weiter. Dies schafft eine Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart, die Religionen und Kulturen gleichermaßen anspricht.
Welche Rolle könnten Steinmetze bei »hailooo« übernehmen?
»hailooo« soll die Grabmalkultur nicht ersetzen, sondern erweitern. Steinmetze können die Module in bestehende Strukturen integrieren – etwa über Sockel, Rahmungen oder ornamentale Elemente – oder Glas und Stein zu neuen hybriden Erinnerungsobjekten kombinieren.
Welche Herausforderungen gibt es bei der Umsetzung?
Friedhöfe sind sensible Orte. Vertreter von Städten, Kirchengemeinden und der Denkmalpflege müssen überzeugt werden, dass »hailooo« sowohl gestalterisch als auch wirtschaftlich sinnvoll ist. Gleichzeitig eröffnen gesetzliche Neuerungen, etwa liberalere Bestattungsgesetze, neue Freiräume für zeitgemäße Erinnerungsformen.
Welche Bedürfnisse der Hinterbliebenen adressiert »hailooo« konkret?
Die Module lassen sich personalisieren, digital verbinden und schaffen einen Ort, der emotional zugänglich ist. Viele Menschen wünschen keine Anonymität mehr – sie suchen Licht, Bedeutung und Gemeinschaft.
Wie geht es weiter?
Wir suchen nach aktiven Partnern, die mit uns ein Pilotprojekt realisieren wollen. Danach möchten wir das System skalieren – modular, nachhaltig und in enger Zusammenarbeit mit Handwerk, Kirchen und Städten.


