Kifo · Suryoyto

Kifo ist ein bewegliches Zeichen für aramäische Identität, Erinnerung und Verbundenheit. Als tragbares Mahnmal verbindet das handgefertigte Schmuckstück persönliche Geschichten mit einer weltweit verstreuten Gemeinschaft.

Für das Projekt entwickelten wir den digitalen Auftritt mit Onlineshop und interaktiver Weltkarte. Dort können sich die Trägerinnen und Träger des Kifo mit ihrer Herkunft, Biografie und Familiengeschichte verorten. So wächst aus einem persönlichen Zeichen ein sichtbares, weltweites Netzwerk gelebter Erinnerung.

Die Erlöse des Projekts unterstützen die Arbeit der Nisibin Stiftung.

Mehr über Kifo · Suryoyto und den Onlineshop erfahren
Die interaktive Kifo-Weltkarte entdecken

HARD NOISE

HARD.NOISE — Räume für Begegnung.

Was braucht ein Festival, damit aus einer Fläche ein Ort wird?

Für das Hard.Noise Festival auf Burg Stickhausen begleiten wir die räumliche und genehmigungsrechtliche Entwicklung eines jungen Festivals, das elektronische Musik, Menschen und einen außergewöhnlichen Ort zusammenbringt.

Unsere Arbeit beginnt dabei nicht bei der Bühne und endet nicht beim Bauantrag. Wir betrachten das Festival als temporäre Architektur: Wie kommen Menschen an? Wo begegnen sie sich? Wie bewegen sie sich durch das Gelände? Wo entstehen Intensität, Orientierung und Rückzug? Und wie lassen sich Atmosphäre, Sicherheit, Logistik und die Anforderungen der Behörden zu einem schlüssigen Ganzen verbinden?

Gemeinsam mit dem Team von Hard.Noise entwickeln wir dafür den räumlichen Masterplan – von Bühnen und Besucherflächen über Gastronomie, Backstage und Infrastruktur bis zu Besucherströmen, Rettungswegen und der Abstimmung mit den beteiligten Stellen.

Dabei fasziniert uns besonders die Verbindung mit der Burg Stickhausen. Ein historischer Ort wird für einen kurzen Moment neu gelesen. Bestand und Landschaft treffen auf Licht, Musik und temporäre Strukturen. Architektur entsteht hier nicht für Jahrzehnte, sondern manchmal nur für einen Tag – und kann trotzdem einen Ort nachhaltig im Gedächtnis verankern.

Vier Freunde. Ein Traum. Und eine Idee, die weiterwächst.

Aus der Zusammenarbeit ist inzwischen mehr geworden als ein einzelnes Projekt. Hard.Noise und #begic architect verbindet die Freude daran, Dinge auszuprobieren, größer zu denken und vermeintlich ungewöhnliche Ideen räumlich möglich zu machen.

Deshalb richtet sich der Blick bereits auf Hard.Noise 2027.

Das Festival soll weiter wachsen, neue Flächen erschließen und namhafte Künstler nach Ostfriesland bringen. Für uns bedeutet das nicht einfach: mehr Bühne, mehr Technik, mehr Menschen. Wachstum stellt die interessantere Frage:

Wie wird aus einem größeren Festival ein besserer Ort?

Wir wollen Räume schaffen, die Menschen zusammenbringen. Räume mit Identität. Räume, die funktionieren und gleichzeitig überraschen. Orte, an denen für einige Stunden etwas entsteht, das vorher nicht da war – und danach als gemeinsame Erinnerung bleibt.

Denn wir verstehen Architektur nicht allein als Gebäude.

Architektur beginnt dort, wo Menschen aufeinandertreffen.

Hard.Noise 2027 ist deshalb für uns vor allem eines:

Vorfreude auf das, was wir gemeinsam noch vorhaben.

Blauer Tropfen

Architektur wird zur Handlung des Erinnerns.

Der Blaue Tropfen entstand als gemeinsamer Entwurf mit dem Künstler Jan Engels für einen geladenen Wettbewerb zur Errichtung einer neuen Polizeigedenkstätte des Saarlandes.

Gesucht wurde ein Ort des Erinnerns für Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte, die im Dienst ihr Leben verloren haben – ein Ort der Würde, der Begegnung und des gemeinsamen Gedenkens.

Unsere Antwort war kein klassisches Denkmal.

Wir wollten einen Ort schaffen, an dem Erinnerung nicht betrachtet, sondern gemeinsam erlebt wird.

Das Ritual beginnt an einer Wasserquelle.

Besucherinnen und Besucher schöpfen Wasser in einen steinernen Kelch und tragen es zur Mitte des Ortes. Mit dem ersten Tropfen, der auf das Klanginstrument fällt, entsteht ein leiser Ton. Für einen kurzen Moment wird aus einer persönlichen Geste ein gemeinsames Innehalten.

Die Architektur folgt diesem Gedanken.

Wie die Wellen eines auftreffenden Wassertropfens entwickeln sich Wege, Sitzlandschaften und Vegetationsflächen zu einer offenen Landschaft des Erinnerns. Stampfbeton, Naturstein, Wasser, Licht und Vegetation bilden einen Ort, der nicht abschließt, sondern einlädt – zum Erinnern, Begegnen und Verweilen.

Über dem Ort schwebt der Blaue Tropfen.

Er ist Lichtobjekt und Symbol zugleich.

Seine Bedeutung endet nicht an den Grenzen dieser Gedenkstätte. Der Blaue Tropfen versteht sich als wiederkehrendes Zeichen einer gemeinsamen Erinnerungskultur. Als leuchtendes Symbol könnte er künftig auch an anderen Orten erscheinen und Menschen an gemeinsamen Gedenktagen miteinander verbinden, ohne den jeweiligen Erinnerungsort zu ersetzen.

Für uns beginnt Architektur dort, wo Räume Beziehungen schaffen.

Zwischen Mensch und Raum.

Zwischen Erinnerung und Hoffnung.

Zwischen einem Ort und einer gemeinsamen Kultur des Erinnerns.

Architektur Slam

„Mitte September wurde in Oldenburg geslamt. Zwei Architekten und eine Berufseinsteigerin trauten sich mit ihren Texten auf die Bühne. Dabei gab es sehr persönliche Einblicke in sehr unterschiedliche Werdegänge. Cora Möller aus Oldenburg ließ ihr Studium und ihren Berufsstart Revue passieren und scheute sich nicht, auch ihr Zweifeln und die dunklen Seiten auszuleuchten.
Sükrü Begic, der bei der abschließenden Abstimmung den größten Applaus erhielt, schaute zurück auf die Flucht mit der Familie aus der Osttürkei, sein Architekturstudium in Hannover, den alltäglichen Rassismus und die Herausforderungen bei der Gründung seines Büros in Leer. Ein toller Text, der diesen Abend verdient gewann.

Für einen weiteren unterhaltsamen Beitrag sorgte Dirk Böttger mit seinem Song „Trusted Architect“ samt Video. Eingerahmt wurde das Programm von einem Slam des Kammerpräsidenten, Robert Marlow, der einen Text seiner Tochter Lucy zur Rolle des Berufsstandes bei der Bekämpfung des Klimawandels vortrug und den zwei professionellen Slams von Annika Blanke aus Oldenurg.“

DBZ 10.2022 Bremen.Niedersachsen S.30
Fotos (Lars Menz, AKNDS): Sükrü Begic, Robert Marlow, Annika Blanke, Cora Möller und Dirk Böttger (v.l.n.r.)

Sinneswandel

Der Kopf ist rund, hält ihn schief
In Gedanken versunken, Wahrnehmung sensitiv

Augen starr, Blick meditativ
Sieht ein Haus im Sandkorn, Raum imaginativ

Ohren gespitzt, Fokussierung exzessiv
Hört Unbekanntes gern, Fremdsprachen attraktiv

Mund geschlossen, Geschmack negativ
Spricht mit sich selbst, Seele interaktiv

Nase juckt, Reibung plakativ
Riecht Erkenntnis, Idee intensiv

Hand zuckt, Handeln hyperaktiv
Nimmt Leben in die Hand, Werkzeug relativ

Man glaubt es sei Intuition, aber alles ist reflexiv
Fang an zu denken, dann erst werde kreativ

Werkzeug: Digital x Tinte auf DINA 3

Abbrecher

Ich ritze, Ich ratze, Ich schlitze und Ich kratze
Nein, ich bin keine Miezekatze
doch sehn ich mich nach einer Tatze
sieh mich an, sehe nichts in meiner hässlichen Fratze
Meine Haut lässt mich blind da stehen in Anbetracht des Ganzen
Es reicht nicht, dass ich mich nur kratze
Ich zerfetze meine Haut, auf dass sie platze
Alles soll raus was die Liebe mal pflanzte
Oh, Schmerz geh nicht weg, bleib hier
Ich weiß, mich zu verlassen, fällt allen so leicht
Dies ist der erste Streich, der zweite Schlag folgt sogleich.

Alles ist vergänglich
doch an das Herzzereissende der Dinge erinnert man sich täglich
als sei dieser Scheiß Moment für ewig
Wie man da steht und leise flucht:
„Verdammt! Wo sind sie nur hin?!“
Wie man in die Hosentachen greift
Wie man sich verzweifelt abtastet und scheinbar sucht
Wie man sich umdreht und auf den Boden schaut
und der Blick doch nichts Erfreuliches verbucht
Die Gestik ist missverständlich und lässt nach Hoffnung bohren
Was man ausspricht tut dies nicht:
„Ich habe sie verloren, meine Gefühle für Dich.“

Der springende Punkt

Ich bin ein Punkt und auch nicht viel mehr
stehe nicht gern in geraden Linien oder einem Kreisverkehr
Wie ein laufender Hund im Mäander, streune ich umher
Das klingt zwar sonderbar, aber ich bin gern ein Singular

Weißt nicht was der springende Punkt ist, nicht wahr?
Meine Form ist knapp und daher unscheinbar
Bin in Wahrheit die Grundlage all deiner Art
Doch du nimmst mich nur in der Summe wahr

Du klickst, schreibst und bildest alles ab – Situations-Patscher
Ich warte und beobachte – Ich bin ein Wait-watcher
Ich weiß, ich kann nicht mehr besitzen als ich in mir hab
– Reine Software
Daher bin ich selten traurig und weine nie
– Soft?! Wer?

Verzichte aufs Internet, wer wohntn´ da?!
Ich bin im echten Leben ein multilokal Wohnender
Ein Vorbild für Netzwerke, in der Tat
Aus einzelnen Punkten zeichne ich mein Habitat

Mach einfach mal einen Punkt hier.
Sieh zu wie ich springe und das Leben visualisier
Stehst da, bleibst deiner Linie treu und fragst mich wie?
Ich bin zwar klein, aber das Pünktchen auf dem i

Formulartor

In dieser Zeit ist alles aus den Fugen geraten
Mensch und Raum sind entzweite Arten
Wer widmet sich der Gestaltung und der Ästhetik
Wer dem Geld, dem wirtschaftlichen Faktor der Ethik
Maschinen, Serie und Schnelligkeit haben es offenbart
Schuld an dieser Misere trägst auch Du – das Formular

Entspreche nur dem dringenden Bedarf
Ein Standardmuster als Raumregler
Massen sind nicht einfach zu begreifen
So viele Fragen und Aufgaben, wie soll man´s sonst ergreifen
Warum stresst Du Dich, hast Du etwa keine Zeit
Mach Dir kein Druck, mein Vordruck hilft Dir dabei

Deine Mutter, die Form, die Dich gebar,
Als Lösung und nicht Problem Dich sah
Dein Schatten beweist es, Du bist ein Narr
Machst Vielfalt schwierig und Einfalt so nah
Beherrschst den Raum mit Bürokratie
Ein Erfassungsvorgang hat die Macht, keine Ironie

Einfach, auch Du kannst es haben, leg an die Zügel
Mach, dass der aufrechte Mensch sich füge
In Form der Quadrate und der Kreise
Leonardo belegte es auf geometrische Weise
Ein Rahmen sorgt für Vollständigkeit
und schützt den Geist vor Mehrdeutigkeit

Da Vinci, Dürer oder Le Corbusier
Verhalten zu vermaßen versteht sich per se
Deine Linien jedoch beschränken die Idee
Dein Rahmen ist als Anmaßung zu verstehen
Wer Deine Textfelder noch sieht wie zuvor
Ist törichter als Du selbst und – ein Formulartor

Du bist ´ne 10

Du warst meine Eins,
Doch nun sehe ich dich als wärst du es nicht.
Wie war es? Du meintest:
„Ich lasse mich nie auf ´ne Nullnummer ein!“
Wie wahr ist? Du meidest:
Eine Null kann ´ne große Nummer sein.

Hab´ die Null nicht ernst genommen:
„Ach, das ist doch nichts!“
Hab´ über die Null gesprochen, als gebe es sie nicht:
„Du Null, du Nichts, du Loch in der Natur!
Nicht positiv, nicht negativ,
was willst du nur?“

Die Null? Das Nichts?
Ach, das ist mir schon zu viel verstehen.
Die Null klebt dir nun am Gesäß,
hätte es niemals geglaubt, doch ich seh’s,
dass die Null ´ne große Nummer ist,
jetzt checke ich wozu sie fähig ist.