Architektur wird zur Handlung des Erinnerns.
Der Blaue Tropfen entstand als gemeinsamer Entwurf mit dem Künstler Jan Engels für einen geladenen Wettbewerb zur Errichtung einer neuen Polizeigedenkstätte des Saarlandes.
Gesucht wurde ein Ort des Erinnerns für Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte, die im Dienst ihr Leben verloren haben – ein Ort der Würde, der Begegnung und des gemeinsamen Gedenkens.
Unsere Antwort war kein klassisches Denkmal.
Wir wollten einen Ort schaffen, an dem Erinnerung nicht betrachtet, sondern gemeinsam erlebt wird.
Das Ritual beginnt an einer Wasserquelle.
Besucherinnen und Besucher schöpfen Wasser in einen steinernen Kelch und tragen es zur Mitte des Ortes. Mit dem ersten Tropfen, der auf das Klanginstrument fällt, entsteht ein leiser Ton. Für einen kurzen Moment wird aus einer persönlichen Geste ein gemeinsames Innehalten.
Die Architektur folgt diesem Gedanken.
Wie die Wellen eines auftreffenden Wassertropfens entwickeln sich Wege, Sitzlandschaften und Vegetationsflächen zu einer offenen Landschaft des Erinnerns. Stampfbeton, Naturstein, Wasser, Licht und Vegetation bilden einen Ort, der nicht abschließt, sondern einlädt – zum Erinnern, Begegnen und Verweilen.
Über dem Ort schwebt der Blaue Tropfen.
Er ist Lichtobjekt und Symbol zugleich.
Seine Bedeutung endet nicht an den Grenzen dieser Gedenkstätte. Der Blaue Tropfen versteht sich als wiederkehrendes Zeichen einer gemeinsamen Erinnerungskultur. Als leuchtendes Symbol könnte er künftig auch an anderen Orten erscheinen und Menschen an gemeinsamen Gedenktagen miteinander verbinden, ohne den jeweiligen Erinnerungsort zu ersetzen.
Für uns beginnt Architektur dort, wo Räume Beziehungen schaffen.
Zwischen Mensch und Raum.
Zwischen Erinnerung und Hoffnung.
Zwischen einem Ort und einer gemeinsamen Kultur des Erinnerns.


